Unterseiten

Wir waren in den letzten Monaten an mehreren Schulen im Landkreis Sömmerda in Thüringen unterwegs. Es gab 15 Workshops für Mädchen sowie inter*, nicht-binäre, trans* und agender Jugendliche. Kurz nennt man diese Gruppe MINTA*. In den Workshops ging es um Technik und Medien. Die Jugendlichen konnten viele Dinge selbst ausprobieren. Dieser Text erzählt, was wir dabei gelernt haben – vor allem über sichere Lernorte, sogenannte safer spaces, in der Schule.

Die Workshops behandelten viele verschiedene Themen. Alle hatten aber ein Ziel: einen Raum schaffen, in dem sich alle wohlfühlen und ohne Angst etwas Neues lernen können. Die Jugendlichen haben zum Beispiel:

  • mit 3D-Druckern gearbeitet

  • aus Müll eine Zukunfts-Stadt gebaut

  • eigene Spiel-Controller entworfen

  • Roboter programmiert

  • Musik am Computer selbst gemacht

  • Kleidungsstücke mit Technik gebaut (z. B. mit LED-Licht)

  • Fantasie-Räume für Virtual-Reality-Brillen gestaltet

  • sich mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt

  • über Filterblasen in sozialen Medien gesprochen

Neben den Workshops haben wir auch geforscht: Wie können Technik-Workshops sicherer und gerechter für MINTA*-Jugendliche werden? Dazu haben wir unsere Arbeit besonders genau beobachtet.

1. Jugendliche verstehen Technik – aber können sie oft nicht so gut bedienen

Viele Schüler*innen wissen viel über soziale Medien, Datenschutz oder Diskriminierung durch Technik. Aber gleichzeitig fällt es ihnen schwer, einfache Computeraufgaben zu erledigen: Eine Website aufrufen, etwas eintippen oder mit Maus und Tastatur arbeiten, dauert oft lange. Auf Tablets oder Handys fühlen sie sich wohler.
Wir überlegen: Können wir die Technik einfacher machen, z. B. beim Einloggen? Oder sollten wir die Grundlagen wie Tippen auf der Tastatur als Teil des Workshops mitlernen?

Grafik von Sophie Leubner

2. Selbst lernen? In der Schule oft ungewohnt

In unseren Workshops wollen wir, dass Jugendliche selbst entscheiden, was und wie sie lernen. Aber das fällt vielen schwer. Sie wollten ihre Projekte oft sofort fertig bauen, ohne vorher zu testen oder Fehler zu machen. Auch unsere Erklärblätter wurden kaum gelesen.

Grafik von Sophie Leubner

Die Schule ist für viele ein Ort, wo Fehler vermieden werden sollen. Freies Ausprobieren ist ungewohnt. Deshalb überlegen wir, ob Video-Anleitungen besser wären. Wir wollen weiter daran arbeiten, dass Jugendliche mutiger ausprobieren und Fehler machen dürfen – denn genau das stärkt ihr Selbstvertrauen.

3. Können sichere Räume in der Schule entstehen?

Ein sicherer Raum ist ein Ort, an dem alle gleich behandelt werden. So ein Raum entsteht nicht von allein. Aber schon kleine Dinge helfen: Wenn alle sagen dürfen, wie sie heißen und welches Pronomen sie benutzen (z. B. „sie“, „er“ oder „keins“), fühlen sich viele Jugendliche respektiert.
Einige waren überrascht, dass sie überhaupt gefragt wurden – und freuten sich sehr darüber. Kommentare wie „Heute sind keine Jungs da? Super!“ zeigen, dass sich viele durch solche Räume sicherer fühlen.
Aber: Es gibt zu wenige Vorbilder für Technik-begeisterte Mädchen oder genderqueere Jugendliche. Manchmal leiten Männer die Workshops, obwohl es um safer spaces geht – das ist ein Widerspruch, über den wir offen sprechen müssen.

Fazit: Schule verändert sich nicht von heute auf morgen

Die Schule hat viele Probleme: alte Technik, zu wenig Lehrkräfte, viel Leistungsdruck. Wir können das nicht alles ändern. Aber wir können unsere Arbeit so gestalten, dass sich Jugendliche trotzdem bestärkt fühlen.
Unser Ziel: Technik und Medien sollen für alle Jugendlichen zugänglich sein – besonders für die, die sonst oft vergessen werden. Im nächsten Schuljahr wollen wir unsere Ideen weiterentwickeln. Denn gute Technikbildung darf nicht davon abhängen, wie perfekt die Schule ist.

Text von: Alev Coban (mediale Pfade e.V.) und Johannes Rück (Spawnpoint)

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